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    Befundklassen & Schadensdokumentation mit Drohne – Praxisguide

    • Sichtprüfung VT1–VT3, Bewertungskategorien und was 4K + LiDAR in der professionellen Befunddokumentation leisten
    Karsten Lehrke

    Karsten Lehrke

    Karsten ist Gründer und Geschäftsführer von Kopterflug. Als Dipl.-Ing. Maschinenbau bringt er langjährige Erfahrung in der Projektplanung mit.

    Visuelle Prüfung (VT): Normen und Qualifikationsstufen

    Die Visuelle Prüfung (VT) ist das grundlegende zerstörungsfreie Prüfverfahren – und das, das durch den Einsatz von Drohnen am stärksten verändert wird. Normativ geregelt ist sie in DIN EN ISO 17637 (Visuelle Prüfung von Schweißverbindungen) und DIN EN 13018 (Allgemeine Grundsätze der Sichtprüfung). Für die Qualifikation des Prüfpersonals gilt DIN EN ISO 9712.

    Qualifikationsstufen VT1–VT3

    • VT1 (Stufe 1): Prüfer kann Sichtprüfungen nach Anweisung durchführen. Er bewertet nicht selbst, sondern meldet Befunde an VT2/VT3.
    • VT2 (Stufe 2): Prüfer kann eigenständig Sichtprüfungen durchführen, Prüfanweisungen erstellen und Befunde bewerten. Dies ist die Kernstufe für Industrieinspektionen.
    • VT3 (Stufe 3): Höchste Qualifikationsstufe – der Prüfer kann Prüfprogramme entwickeln, andere Prüfer zertifizieren und komplexe Befunde abschließend bewerten.

    Bei Drohneninspektionen ist zu unterscheiden: Der Drohnenpilot führt die Bildaufnahme durch – er muss nicht zwingend VT-qualifiziert sein. Die Befundbewertung erfordert hingegen eine VT2/VT3-Qualifikation. In der Praxis hat Kopterflug sowohl zertifizierte Piloten als auch NDT-qualifiziertes Personal im Team, das die Auswertung übernimmt.

    Direktprüfung vs. indirekte Prüfung mit Drohne

    DIN EN 13018 unterscheidet zwischen direkter Sichtprüfung (Prüfer hat direkten Sichtkontakt mit der Oberfläche, maximaler Augenabstand 600 mm, Beleuchtung min. 500 Lux) und indirekter Sichtprüfung (mit optischen Hilfsmitteln wie Endoskopen, Spiegeln – oder Drohnen-Videosystemen).

    Drohneninspektion gilt gemäß aktueller Fachpraxis als indirekte Sichtprüfung. Dies bedeutet: Befunde, die über die indirekte VT hinausgehen und messtechnische Bewertung erfordern (z.B. Wanddickenmessung, Risslängenmessung), müssen durch ergänzende Prüfverfahren (UT, MT, PT) komplettiert werden. Die Drohne liefert die Orientierung – sie zeigt, wo genau geprüft werden muss.

    Befundklassen: Wie Schäden kategorisiert werden

    In der Industrieinspektion gibt es kein einheitliches Befundklassen-System – verschiedene Normen, Regelwerke und Betreibervorgaben definieren unterschiedliche Kategorien. Kopterflug richtet sich nach den gebräuchlichsten Systemen:

    Befundkategorien nach ASME/API-Systematik (Druckgeräte)

    Für Druckbehälter und Tanks orientieren wir uns an der API 510 (Pressure Vessel Inspection Code) und API 653 (Tank Inspection, Repair, Alteration, and Reconstruction):

    • Kategorie A – Sofortmaßnahme erforderlich: Der Befund stellt eine unmittelbare Gefährdung dar. Außerbetriebnahme oder Sofortreparatur erforderlich. Beispiel: Durchkorrosion, aktiver Leck, Riss an drucktragender Naht.
    • Kategorie B – Nächste Inspektion/Instandhaltung: Schaden vorhanden, aber kein unmittelbares Risiko. Muss beim nächsten geplanten Stillstand behoben werden. Beispiel: fortgeschrittene Korrosionsnarben über 30% Wanddickenverlust, Beschichtungsschäden über größere Flächen.
    • Kategorie C – Beobachtung: Geringer Befund, keine sofortige Maßnahme, aber Fortschrittskontrolle bei nächster Inspektion. Beispiel: oberflächliche Korrosion, leichte Beschichtungsablösung.
    • Kategorie D – Kein Befund: Oberfläche in ordnungsgemäßem Zustand.

    Befundklassen nach deutschen Regelwerken

    Im deutschen Regelwerk (BetrSichV, TRBS 1112) wird zwischen Mängeln (behebbarer Defekt ohne unmittelbare Gefahr) und erheblichen Mängeln (sofortiger Handlungsbedarf) unterschieden. Zugelassene Überwachungsstellen (ZÜS) wie TÜV, DEKRA oder BÜV verwenden darüber hinaus eigene Bewertungssystematiken.

    Für die Befunddokumentation bei Kopterflug gilt: Jeder identifizierte Befund erhält eine eindeutige Befund-ID, eine GPS/LiDAR-Lokalisation im 3D-Modell, eine Foto-Dokumentation aus dem 4K-Material und eine Erstbewertungskategorie. Die abschließende Kategorisierung obliegt dem beauftragten Sachverständigen oder der ZÜS.

    Riss in Schweißnaht – Schadensdokumentation und Befundklassifikation per Drohne

    Was ein professioneller Drohnen-Befundbericht enthält

    Ein vollständiger Befundbericht aus einer Drohneninspektion enthält deutlich mehr als ein klassischer handschriftlicher Inspektionsbericht. Folgende Elemente sind Standard:

    Struktur eines Kopterflug-Befundberichts

    • Deckblatt: Auftragsdaten, Equipment-ID, Datum, Prüfpersonal, angewandte Norm, eingesetztes Equipment (Drohnentyp, Kamerasystem, Sensorik)
    • Prüfumfang: Welche Bereiche wurden inspiziert, welche nicht (und warum nicht – z.B. fehlende Zugänglichkeit)
    • Prüfbedingungen: Atmosphäre, Temperatur, Beleuchtungsbedingungen, Einschränkungen
    • Befundliste: Tabellarische Übersicht aller Befunde mit ID, Lage, Beschreibung, Kategorie, Foto-Referenz und LiDAR-Koordinate
    • Fotodokumentation: Annotierte 4K-Standbilder für jeden Befund, Maßstabsbalken wo anwendbar, Kontext-Übersichtsaufnahmen
    • 3D-Modell (bei LiDAR-Einsatz): Georeferenzierte Punktwolke mit Befund-Markierungen – als interaktives 3D-PDF oder als .PLY/.OBJ-Datei
    • Thermografie-Anhang (bei Wärmebildeinsatz): Radiometrische Bilder mit Temperaturskala, Anomalie-Markierungen und Interpretationshinweisen
    • Zusammenfassung und Handlungsempfehlung: Priorisierte Maßnahmenliste basierend auf Befundkategorien

    Rechtssicherheit der Dokumentation

    Der Befundbericht ist eine rechtlich relevante Unterlage. Bei prüfpflichtigen Anlagen nach BetrSichV Anhang 2 muss die Dokumentation den Anforderungen der TRBS 1201 entsprechen. Die Aufbewahrungspflicht beträgt in der Regel die Lebensdauer der Anlage plus 5 Jahre. Drohnen-Videomaterial und 3D-Scans ergänzen den schriftlichen Bericht – sie sind kein Ersatz, sondern eine Erweiterung.

    Wie 4K-Kamera und LiDAR die Dokumentationsqualität verbessern

    Der Qualitätssprung gegenüber klassischer Sichtprüfung liegt in der Reproduzierbarkeit und Vollständigkeit der Dokumentation. Ein Inspekteur, der eine Leiter hochsteigt, kann 100 Fotos machen – aber er kann die Kamera nicht an jede Stelle bringen, und seine Fotos sind weder georeferenziert noch als vollständige Geometrie-Dokumentation verwendbar.

    4K-Videodokumentation: Vorteile gegenüber Fotoprotokollen

    • Vollständige Oberflächenabdeckung: Das Video-Footage des gesamten Flugs deckt jede zugängliche Oberfläche ab – kein Bereich bleibt undokumentiert.
    • Frame-genaue Auswertung: Im Flyability Inspector 4.0 kann Frame für Frame durch das Video navigiert werden, um Befunde mit höchster Detailtiefe auszuwerten.
    • Befund-Vergleich über Zeit: Aufnahmen von heute werden mit Aufnahmen aus früheren Inspektionen verglichen. Schadensfortschritt ist quantifizierbar.
    • Revisionssichere Archivierung: Das Videomaterial ist ein zeitstempelbasiertes, unveränderbares Primärdokument.

    LiDAR-3D-Scanning: Geometrie als Bewertungsdimension

    LiDAR fügt der Dokumentation eine Dimension hinzu, die mit Kameradaten allein nicht erreichbar ist: Geometrie. Die Punktwolke des Ouster OS0-32-Scanners in der ELIOS 3 hat eine Genauigkeit von ±3 cm bei typischen Industrieanlagen. Damit lassen sich:

    • Wanddickenreduktionen durch Vergleich mit dem As-Built-Modell schätzen (nicht messen – für präzise Wanddickenmessung ist UT erforderlich)
    • Deformationen und Verformungen quantifizieren (Einbeulen, Aufbauchungen, Achsversatz)
    • Volumetrische Ablagerungen (Schlacke, Korrosionsprodukte, Inkrustierungen) in ihrer räumlichen Ausdehnung erfassen
    • Befunde präzise lokalisieren – der Sachverständige weiß auf 5 cm genau, wo der Riss im 8 Meter hohen Behälter sitzt

    Diese Kombination aus visueller Dokumentation und 3D-Geometrie macht den Drohnen-Befundbericht zum umfassendsten Inspektionsdokument, das aktuell für Confined-Space-Anwendungen verfügbar ist.

    Häufig gestellte Fragen

    Welche Daten liefert die ELIOS 3 Inspektion?

    Die ELIOS 3 erfasst umfassende Daten: 4K-Videos und Fotos (3840×2160, 30 fps, Low-Light-optimiert), LiDAR-3D-Punktwolken als Grundlage für einen digitalen Zwilling Ihrer Anlage (Präzision im Zentimeterbereich, .las/.e57-Format, CAD/BIM-fähig), Farbige 3D-Modelle (seit 2025: Colorization für fotorealistische Visualisierung), Radiometrische Thermografie (optional) für Korrosionsmonitoring, Hotspots und CUI-Erkennung, Georeferenzierte Daten für präzise Schadenskartierung. Sie erhalten einen detaillierten Inspektionsbericht mit Zustandsdokumentation, Schadenserfassung und systematischer Befundübersicht – orientiert an relevanten Normen der Industrieinspektion.

    Wie sieht ein Inspektionsbericht aus?

    Ein strukturierter Befundbericht enthält typisch: 4K-Bilder und Videoausschnitte mit lokalisierten Befunden, Thermografie-Auswertung mit Auffälligkeiten, 3D-LiDAR-Daten mit Positionsbezug und eine kommentierte Befundliste (Schweregrad, Maßnahmenempfehlung, Vergleich zur Vorinspektion). Entscheidend ist nicht die Menge an Bildern, sondern deren fachliche Einordnung. Rohaufnahmen allein sind keine Inspektion – erst die kontextualisierte Auswertung durch Experten mit Anlagenverständnis macht Daten zu verwertbaren Befunden. Jeder Befund ist nachvollziehbar verortet, nach Schweregrad klassifiziert und für Ihre Prüfer und Instandhaltungsplanung direkt nutzbar.

    Was ist die Flyability ELIOS 3 und wofür wird sie eingesetzt?

    Die Flyability ELIOS 3 ist eine der leistungsfähigsten kollisionsgeschützten Indoor-Drohnen für Confined Spaces – enge und gefährliche Räume wie Tanks, Kessel, Schächte, Schornsteine und Reaktoren. Sie ist vollständig kollisionssicher durch einen Carbon-Schutzkäfig, navigiert GPS-unabhängig per SLAM-Navigation (FlyAware™ Engine) und verfügt über 4K-Kamera, 16.000 Lumen LED und optional Thermografie + LiDAR. Mit 2025/2026-Upgrades: High-Capacity-Batterie (bis +50% Flugzeit), Tether-Option für unbegrenzte Flugzeit, Colorization für farbige 3D-Modelle und Smart Return-to-Home. Die ELIOS 3 ermöglicht Hybridinspektion – die Drohne übernimmt die Erstinspektion, der Mensch kommt nur noch dort zum Einsatz, wo Kontaktprüfung nötig ist.

    Können Inspektionen ohne Personeneinstieg durchgeführt werden?

    Ja, mit der Flyability ELIOS 3 inspizieren wir Tanks, Kessel, feuerfeste Auskleidungen, Industrieöfen, Schächte und andere Confined Spaces ohne Personeneinstieg. Die Drohne ist vollständig kollisionssicher durch einen Carbon-Schutzkäfig und übernimmt das Risiko – Ihre Mitarbeiter bleiben in Sicherheit. Keine DGUV-Befahrung, keine Rettungsketten, deutlich reduziertes Risiko für Ihr Personal.

    Welche Bereiche können mit der ELIOS 3 inspiziert werden?

    Die ELIOS 3 ist speziell für Confined Spaces entwickelt: Tanks & Behälter (Stahl, Beton, ohne Personeneinstieg), Kessel & Schornsteine (innen, nach Abkühlung <50°C), Feuerfeste Auskleidungen (Industrieöfen, Brennkammern), Reaktoren & Kolonnen (Chemie, Öl & Gas), Schächte & Kanäle (ab 50 cm Öffnung, Großprofile ≥150 cm Ø), Silos & Hochregallager, Bergbau (Stollen, Schächte, Post-Blast), Windkraftanlagen (Rotorblätter innen). Überall dort, wo Personeneinstieg gefährlich, aufwendig oder unmöglich ist.

    Sind DGUV-Befahrungsmaßnahmen erforderlich?

    In vielen Fällen entfallen durch den Einsatz der ELIOS 3 aufwendige DGUV-Befahrungsmaßnahmen (DGUV Regel 113-004), da kein Personeneinstieg erforderlich ist. Die Drohne übernimmt das Risiko – Ihr Personal bleibt in sicherer Entfernung. Freimessungen und Sicherheitsmaßnahmen sind dennoch erforderlich, aber deutlich reduziert. Wir klären die konkreten Anforderungen im Vorfeld mit Ihnen und den zuständigen Stellen.

    Welche Vorteile hat die ELIOS 3 gegenüber klassischen Methoden?

    Durchschnittlich ca. 80% Kostenersparnis: Kein Gerüstbau, keine Entleerung, kein Befahrungs-Team. Drastisch reduzierte Stillstandzeiten: Stunden statt Wochen. Maximale Sicherheit: Kein Personeneinstieg notwendig, deutlich reduziertes Risiko. Präzise Daten: 4K + LiDAR (im Zentimeterbereich) + Thermografie. Normkonform: BetrSichV, DGUV, EN 12952, API 653. Deutschlandweit verfügbar, schnelle Terminvergabe.

    Welche Drohnen setzt Kopterflug ein?

    Wir setzen je nach Aufgabe unterschiedliche Systeme ein: Flyability ELIOS 3 für Innenbereiche und Confined Spaces (kollisionsgeschützt, LiDAR, Thermografie, Navigation ohne GPS), DJI Matrice 30T für Außeninspektionen (Zoom, Thermografie, große Reichweite) und Unterwasserdrohnen (ROV) für gefüllte Tanks und Unterwasserbereiche. Entscheidend ist nicht die Drohne, sondern die passende Technologie für die jeweilige Aufgabe.

    Professionelle Inspektion mit der ELIOS 3 — deutschlandweit verfügbar.

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