Wärmebildkamera & Drohne – Thermografie-Guide für Industrieanlagen
- Wie Thermografie mit Drohne funktioniert, typische Befunde in Industrieanlagen und Grenzen der Methode – ein vollständiger Praxisguide
Grundlagen: Wie Thermografie mit Drohne funktioniert
Infrarot-Thermografie ist ein zerstörungsfreies Prüfverfahren, das Temperaturunterschiede an Oberflächen sichtbar macht. Jeder Körper mit einer Temperatur über dem absoluten Nullpunkt emittiert Wärmestrahlung (Infrarot-Strahlung). Eine Wärmebildkamera (Infrarotkamera) empfängt diese Strahlung und wandelt sie in ein sichtbares Wärmebild um – warme Bereiche erscheinen hell oder rot, kühle Bereiche dunkel oder blau.
Für industrielle Inspektionen ist Thermografie besonders wertvoll, weil viele Schadenstypen sich durch Temperaturdifferenzen zur Umgebung verraten, noch bevor sie visuell sichtbar werden. Drohnen mit Wärmebildkameras können diese Temperaturdifferenzen systematisch, großflächig und sicher erfassen.
Zwei Hauptsysteme bei Kopterflug
- DJI Matrice 30T (Außeneinsatz): Integrierte FLIR-Kamera mit 640×512 Pixel Auflösung, radiometrische Temperaturmessung (±2°C), Messung von -40°C bis +550°C. Zusätzlich 200x Hybrid-Zoom-Kamera für gleichzeitige visuelle Dokumentation. Ideal für Außeninspektionen von Rohrleitungen, Gebäudehüllen, Transformatoren, Freileitungen.
- ELIOS 3 mit optionaler Thermografie-Kamera (Inneneinsatz): Kompatibel mit FLIR Lepton-Modulen. Für Indoor-Thermografie in Kesseln, Öfen, Reaktoren – erkennt Heißstellen in Ausmauerungen, thermische Anomalien an Einbauten. Eingeschränkter Messbereich und geringere Auflösung als der Matrice 30T.
Passive vs. aktive Thermografie
Für industrielle Inspektionen mit Drohnen wird fast ausschließlich passive Thermografie eingesetzt: Die Anlage selbst ist die Wärmequelle. Temperaturunterschiede entstehen durch Betriebsbedingungen (heiße Prozessflüssigkeiten, Verbrennungsprozesse) und werden passiv detektiert. Aktive Thermografie (externe Wärmequelle notwendig) ist für Drohneneinsätze nicht praktikabel.
Die ideale Temperaturdifferenz für passive Thermografie liegt bei mindestens 10 K zwischen Objekt und Umgebung. Bei Prozessanlagen mit 200–400°C Betriebstemperatur ist die Temperaturdifferenz mehr als ausreichend. Bei Raumtemperatur-Objekten (z.B. statische Lagertanks ohne Betrieb) ist passive Thermografie nur eingeschränkt einsetzbar.
Typische Befunde: Was Thermografie in Industrieanlagen sichtbar macht
Die Einsatzbereiche industrieller Drohnen-Thermografie sind vielfältig. Folgende Befundtypen sind in der Praxis besonders relevant:
Heißstellen (Hotspots) in elektrischen Anlagen
Elektrische Verbindungen, Leistungsschalter, Transformatoren und Freileitungen zeigen bei Überlastung oder mangelhaftem Kontakt erhöhte Oberflächentemperaturen. Der DJI Matrice 30T erkennt diese Heißstellen aus 30–100 m Abstand ohne Annäherung an spannungsführende Teile – ein entscheidender Sicherheitsvorteil gegenüber manueller Prüfung:
- Schlechte elektrische Verbindungen (erhöhter Übergangswiderstand)
- Transformator-Überlastung oder Fehler in Kühlkreisläufen
- Heißstellen an Leistungskabeln und Kabelmuffen
- Überhitzte Sicherungskästen und Schaltanlagen (Außeninspektion)
Isolationsschäden und Wärmeverluste
Beschädigte oder fehlende Wärmeisolierung an Rohrleitungen, Behältern und Industrieöfen verursacht erhöhte Oberflächentemperaturen, die der Matrice 30T aus der Luft sichtbar macht:
- Lücken in der Rohrleitungsisolierung (Flanschbereiche, Halter, Durchführungen)
- Feuchte Isolierung (wesentlich schlechtere Dämmwirkung als trockene – erkennbar als Kältefleck bei heißen Prozessen)
- Beschädigte oder verlorene Isoliermatte an Brennkammern und Öfen
- Wärmeverluste an Gebäudehüllen (Industriehallen mit mangelhafter Dämmung)
CUI-Erkennung (Corrosion Under Insulation)
Wie im Korrosionsartikel beschrieben: Feuchte Isolierung hat eine andere Wärmeleitfähigkeit als trockene. An Rohrleitungen mit heißen Medien (>80°C) sind feuchte Isolierstellen als kühle Flecken im Wärmebild erkennbar. Diese CUI-Verdachtszonen markieren, wo Isolierung entfernt und UT-Wanddickenmessung durchgeführt werden sollte.
Ausmauerungsschäden in Kesseln und Öfen (ELIOS 3)
Dünne oder beschädigte Feuerfestauskleidung lässt mehr Wärme durch die Wandung – erkennbar als Heißstelle auf der Außenwand. Umgekehrt zeigen Ablagerungen aus Schlacke oder Asche auf der Innenoberfläche veränderte Temperaturmuster. Die ELIOS 3 mit Thermografie dokumentiert diese Befunde direkt an der Innenoberfläche.
Auswertung von Wärmebildern: Methodik und Interpretation
Wärmebilder korrekt auszuwerten erfordert Fachkenntnis – ein reines Farbspektrum-Bild ohne Interpretation ist wertlos. Folgende Faktoren sind bei der Auswertung zu berücksichtigen:
Emissionsgrad (Emissivität)
Die größte Fehlerquelle in der Thermografie: Jedes Material hat einen spezifischen Emissionsgrad (ε) zwischen 0 (perfekter Spiegel) und 1 (schwarzer Körper). Polierten Metallen haben ε ≈ 0,05–0,1, oxidierte Stahloberflächen ε ≈ 0,7–0,9, Lackoberflächen ε ≈ 0,85–0,95. Wird der falsche Emissionsgrad in der Kamera eingestellt, sind die gemessenen Temperaturen falsch. Für radiometrische Messungen mit dem DJI Matrice 30T muss der Emissionsgrad der Zieloberfläche bekannt sein oder geschätzt werden.
Reflexionen und Umgebungstemperatur
Reflektierende Oberflächen (polierter Edelstahl, Aluminiumverkleidungen) spiegeln Wärmestrahlung der Umgebung – das Wärmebild zeigt nicht die eigene Oberflächentemperatur, sondern das Spiegelbild der Umgebung. Inspektionen sollten daher bevorzugt in der frühen Dämmerung (geringe Sonneneinstrahlung) oder bei bedecktem Himmel durchgeführt werden.
Mindesttemperaturdifferenz und Detektierbarkeit
Die Empfindlichkeit einer FLIR-Kamera (NETD: Noise Equivalent Temperature Difference) liegt typisch bei 0,05–0,1°C. In der Praxis sind Anomalien ab ca. 2–3°C Temperaturdifferenz zuverlässig detektierbar und von Hintergrundrauschen unterscheidbar. Kleinere Differenzen erfordern Mittelwertbildung über mehrere Frames.
Normative Grundlagen: DIN EN 13187 und ISO 18434
Die Thermografie-Inspektion ist normativ in DIN EN 13187 (Wärmeschutz in Gebäuden) und ISO 18434-1 (Condition monitoring and diagnostics of machines – Thermography) geregelt. Für das Prüfpersonal gilt DIN EN ISO 9712 mit Stufe TT Level 1–3 (Thermografische Prüfung). Kopterflug arbeitet mit TT-qualifizierten Auswertespezialisten und sorgt für normkonforme Berichterstattung.
Grenzen der Drohnen-Thermografie: Was sie nicht kann
Thermografie ist ein mächtiges Werkzeug – aber sie hat systembedingte Grenzen, die bei der Aufgabenplanung berücksichtigt werden müssen:
Keine quantitative Wanddickenmessung
Thermografie kann keine Wanddicke messen. Sie identifiziert thermische Anomalien, die auf Schäden hinweisen – aber für die quantitative Bewertung (Wie dick ist die Wand noch?) ist immer Ultraschall-Wanddickenmessung (UT) erforderlich.
Eingeschränkte Aussagekraft bei ruhenden Anlagen
Passive Thermografie benötigt eine Temperaturdifferenz. Bei abgestellten, ungespülten Anlagen ohne Betriebswärme sind Isolationsschäden und interne Strukturdefekte nicht detektierbar. Thermografie ist eine Betriebsprüfmethode – idealer Einsatz bei laufender Anlage oder kurz nach dem Abschalten.
Oberflächennahe Defekte bevorzugt
Thermografie erkennt bevorzugt oberflächennahe Schäden. Tiefe interne Defekte (z.B. tiefliegende Risse in dicken Wandungen) verursachen zu geringe thermische Gradienten, um sicher detektierbar zu sein. Für tiefe Defekte sind andere ZfP-Verfahren (UT, RT) geeigneter.
Wetterbedingungen beeinflussen Ergebnisse
Direktes Sonnenlicht auf untersuchten Oberflächen verursacht solare Aufheizung, die mit betriebsbedingten Temperaturanomalien verwechselt werden kann. Inspektionen sollten bevorzugt am frühen Morgen, abends oder bei bedecktem Himmel durchgeführt werden – besonders für Gebäudehüllen und Rohrleitungsnetzwerke.
Wann Thermografie unverzichtbar ist
Trotz der Grenzen ist die Kombination aus Drohne und Wärmebildkamera für folgende Anwendungen die erste Wahl: CUI-Screening großer Rohrleitungsnetzwerke, Hotspot-Suche an elektrischen Anlagen, Isolationsschadens-Mapping, Ausmauerungsüberwachung in Öfen und Kesseln, und Feuchtigkeitserkennung in Gebäudestrukturen. Kontaktieren Sie uns, wenn Sie wissen möchten, ob Thermografie für Ihr konkretes Inspektionsproblem das richtige Werkzeug ist.
Häufig gestellte Fragen
Kann Thermografie auch im laufenden Betrieb eingesetzt werden?
Ja – und gerade das ist ein großer Vorteil. Mit der DJI Matrice 30T erfassen wir thermische Auffälligkeiten an Außenbereichen ohne Abschaltung und ohne Personaleinsatz vor Ort: Isolationsverluste an Rohrleitungen und Dampfleitungen, Temperaturanomalien an Transformatoren und Schaltanlagen, undichte Ventile und Flansche, CUI-Verdacht (Corrosion Under Insulation) an schwer zugänglichen Stellen. Das spart nicht nur Stillstandszeit, sondern reduziert auch den Koordinationsaufwand erheblich – weniger Absperrungen, weniger Gefährdungsbeurteilungen, weniger Personal in Gefahrenbereichen.
Was ist die Flyability ELIOS 3 und wofür wird sie eingesetzt?
Die Flyability ELIOS 3 ist eine der leistungsfähigsten kollisionsgeschützten Indoor-Drohnen für Confined Spaces – enge und gefährliche Räume wie Tanks, Kessel, Schächte, Schornsteine und Reaktoren. Sie ist vollständig kollisionssicher durch einen Carbon-Schutzkäfig, navigiert GPS-unabhängig per SLAM-Navigation (FlyAware™ Engine) und verfügt über 4K-Kamera, 16.000 Lumen LED und optional Thermografie + LiDAR. Mit 2025/2026-Upgrades: High-Capacity-Batterie (bis +50% Flugzeit), Tether-Option für unbegrenzte Flugzeit, Colorization für farbige 3D-Modelle und Smart Return-to-Home. Die ELIOS 3 ermöglicht Hybridinspektion – die Drohne übernimmt die Erstinspektion, der Mensch kommt nur noch dort zum Einsatz, wo Kontaktprüfung nötig ist.
Können Inspektionen ohne Personeneinstieg durchgeführt werden?
Ja, mit der Flyability ELIOS 3 inspizieren wir Tanks, Kessel, feuerfeste Auskleidungen, Industrieöfen, Schächte und andere Confined Spaces ohne Personeneinstieg. Die Drohne ist vollständig kollisionssicher durch einen Carbon-Schutzkäfig und übernimmt das Risiko – Ihre Mitarbeiter bleiben in Sicherheit. Keine DGUV-Befahrung, keine Rettungsketten, deutlich reduziertes Risiko für Ihr Personal.
Welche Bereiche können mit der ELIOS 3 inspiziert werden?
Die ELIOS 3 ist speziell für Confined Spaces entwickelt: Tanks & Behälter (Stahl, Beton, ohne Personeneinstieg), Kessel & Schornsteine (innen, nach Abkühlung <50°C), Feuerfeste Auskleidungen (Industrieöfen, Brennkammern), Reaktoren & Kolonnen (Chemie, Öl & Gas), Schächte & Kanäle (ab 50 cm Öffnung, Großprofile ≥150 cm Ø), Silos & Hochregallager, Bergbau (Stollen, Schächte, Post-Blast), Windkraftanlagen (Rotorblätter innen). Überall dort, wo Personeneinstieg gefährlich, aufwendig oder unmöglich ist.
Sind DGUV-Befahrungsmaßnahmen erforderlich?
In vielen Fällen entfallen durch den Einsatz der ELIOS 3 aufwendige DGUV-Befahrungsmaßnahmen (DGUV Regel 113-004), da kein Personeneinstieg erforderlich ist. Die Drohne übernimmt das Risiko – Ihr Personal bleibt in sicherer Entfernung. Freimessungen und Sicherheitsmaßnahmen sind dennoch erforderlich, aber deutlich reduziert. Wir klären die konkreten Anforderungen im Vorfeld mit Ihnen und den zuständigen Stellen.
Welche Daten liefert die ELIOS 3 Inspektion?
Die ELIOS 3 erfasst umfassende Daten: 4K-Videos und Fotos (3840×2160, 30 fps, Low-Light-optimiert), LiDAR-3D-Punktwolken als Grundlage für einen digitalen Zwilling Ihrer Anlage (Präzision im Zentimeterbereich, .las/.e57-Format, CAD/BIM-fähig), Farbige 3D-Modelle (seit 2025: Colorization für fotorealistische Visualisierung), Radiometrische Thermografie (optional) für Korrosionsmonitoring, Hotspots und CUI-Erkennung, Georeferenzierte Daten für präzise Schadenskartierung. Sie erhalten einen detaillierten Inspektionsbericht mit Zustandsdokumentation, Schadenserfassung und systematischer Befundübersicht – orientiert an relevanten Normen der Industrieinspektion.
Welche Vorteile hat die ELIOS 3 gegenüber klassischen Methoden?
Durchschnittlich ca. 80% Kostenersparnis: Kein Gerüstbau, keine Entleerung, kein Befahrungs-Team. Drastisch reduzierte Stillstandzeiten: Stunden statt Wochen. Maximale Sicherheit: Kein Personeneinstieg notwendig, deutlich reduziertes Risiko. Präzise Daten: 4K + LiDAR (im Zentimeterbereich) + Thermografie. Normkonform: BetrSichV, DGUV, EN 12952, API 653. Deutschlandweit verfügbar, schnelle Terminvergabe.
Welche Drohnen setzt Kopterflug ein?
Wir setzen je nach Aufgabe unterschiedliche Systeme ein: Flyability ELIOS 3 für Innenbereiche und Confined Spaces (kollisionsgeschützt, LiDAR, Thermografie, Navigation ohne GPS), DJI Matrice 30T für Außeninspektionen (Zoom, Thermografie, große Reichweite) und Unterwasserdrohnen (ROV) für gefüllte Tanks und Unterwasserbereiche. Entscheidend ist nicht die Drohne, sondern die passende Technologie für die jeweilige Aufgabe.
Professionelle Inspektion mit der ELIOS 3 — deutschlandweit verfügbar.
Eine Auswahl unserer Kunden und Partner
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Ob CUI, Feuerfest-Hotspots oder Wärmeverluste an Rohrleitungen – wir prüfen kostenlos, wie Thermografie-Drohneninspektion Ihre Anlage abdecken kann.

